FAQ

PHV bedeutet, dass ein eigener, neuer Stadtteil, der 16. für Heidelberg, entsteht. Ein Teil der Fläche ist bereits versiegelt, Gebäude und Infrastrukturen bilden neben den vorhandenen Grünflächen schon heute eine städtebauliche Struktur. Hier wird es Räume zum Wohnen, Lernen und Arbeiten, für Sport und Kultur für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und -schichten in verschiedenen Lebensabschnitten geben. Im PHV entstehen qualitätsvolle Frei- und Grünräumen sowie Angebote für das soziale Miteinander in einer vielfältigen Mischung. Hier wird bezahlbarer Wohnraum geschaffen.
Die Bereitstellung von attraktiven Gewerbeflächen steht ebenso im Fokus der Planung wie die nachhaltige Stadtentwicklung: Durch ein zukunftsweisendes und klimafreundliches Energiekonzept wird PHV die Vorreiterrolle Heidelbergs in Bezug auf den Klimaschutz weiter ausbauen.

Die Aktivierung läuft. Die Grundstückseigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), plant, bereits 2021 mit der Entwicklung von Teilflächen im Süden zu beginnen. Bei der Schaffung von Wohnraum und Flächen für Gewerbe arbeitet die BImA eng mit der Stadt Heidelberg zusammen. 2022 sollen die ersten Wohnungen vermietet werden, bis 2026 sollen die meisten Gebäude fertig sein. Insbesondere die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum spielt eine große Rolle bei der Entwicklung.

Die Versorgung mit grundlegenden Infrastrukturen wie Strom, Wasser, Wärme, Internet ist zurzeit nicht gegeben. Die ehemals vorhandenen Infrastrukturen können zum großen Teil nicht mehr genutzt werden. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss darüber hinaus gewährleistet werden. Auch Kinderbetreuungsangebote und erste Einkaufsmöglichkeiten sollten von Anfang an angeboten werden.
Der erste Pionier im PHV ist das Metropolink Festival für urbane Kunst, das hier seit 2018 sein Festivalzentrum hat und das PHV für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Das Interesse an PHV ist groß, mehr Pioniere sollen folgen.

Wie ein Band ziehen sich die Grünflächen durch das ganze Zentrum des Stadtteils PHV. Im Mittelpunkt wird ein Park mit See liegen, der sich zur neuen Mitte hin öffnet. Daneben gibt es ein Freiraumnetz aus naturnahen Flächen, Spiel- und Gemeinschaftsflächen, Biotop- und Wegevernetzung in die Landschaft. Naturnahe Freiräume werden auch produktiven Aspekten wie dem Anbau von Nahrungsmitteln und der Energieversorgung dienen.

Der neue Stadtteil PHV wird stellplatzfrei und autoarm, jedoch nicht autofrei geplant. Es wird möglich sein, die Gebäude anzufahren, beispielsweise um mobilitätseingeschränkte Personen abzuholen oder Einkäufe zu transportieren. Die Pkws werden jedoch nicht direkt vor der Haustür, sondern in Quartiersgaragen geparkt.
Zusätzlich stehen beispielsweise Carsharing-Angebote bereit und an sogenannten Mobilitätsstationen, die gleichmäßig im Quartier verteilt sind, können weitere Transportmittel wie Räder, Roller etc. untergebracht und geliehen werden.
Eine Straßenbahn soll das Gebiet mit einer für Fußgänger freundlichen Anordnung von Haltestellen erschließen. Die Haltestellen werden barrierefrei ausgebaut und mit Mobilitätsstationen vernetzt. Von dort ist geplant, dass kleinteilige Zubringer die Quartiere anfahren.

Zu Beginn sollen regelmäßig fahrende Busse eingerichtet werden, die den südlichen Teil des PHV mit der Innenstadt und den Umlandgemeinden an S-Bahn-Punkten verbinden. Später ist die Anbindung mit einer Straßenbahn geplant. Um eine geeignete Streckenvariante zu identifizieren, wird eine Kosten-Nutzen-Untersuchung derzeit durchgeführt.

PHV soll über einen Radschnellweg, die Straßenbahn und mit motorisierten Kraftfahrzeugen erreicht werden können. Zu Beginn wird der neue Stadtteil über Busverbindungen an die Umlandgemeinden angebunden werden.

PHV soll mit sämtlichen Einrichtungen, die für die Versorgung und Lebendigkeit eines Stadtteils notwendig sind, ausgestattet werden, so dass es sich weitgehend selbst tragen wird. Dazu gehören Kinderbetreuungseinrichtungen, eine Grundschule sowie soziale Treffpunkte und vielfältige Angebote für Sport, Freizeit und Kultur.

Beim Bürgerentscheid am 11. April 2021 stimmten 70,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler mit ‚Ja‘ gegen die Verlegung des Ankunftszentrums für Geflüchtete (AZ) auf die Wolfsgärten. Der Heidelberger Gemeinderat hatte im Juni 2020 beschlossen, das derzeit nur provisorisch auf PHV eingerichtete AZ mit Platz für 2.000 geflüchtete Menschen zu verlegen, um ihm eine sichere Zukunft in Heidelberg zu geben. Für die Wolfsgärten stimmten 29,7 Prozent der Wahlberechtigten; die Wahlbeteiligung insgesamt betrug 39,86 Prozent. Das notwendige Quorum von Stimmberechtigten wurde erreicht.
Mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids ist daher der Gemeinderatsbeschluss der Standortverlegung des Ankunftszentrums auf die Wolfsgärten aufgehoben und das Standortangebot an das Land Baden-Württemberg kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Ebenfalls im Juni 2020 hatte der Gemeinderat den Dynamischen Masterplan für die Entwicklung von PHV zu einem zukunftsfähigen Stadtteil für 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner verabschiedet. Dieser Beschluss ist vom Bürgerentscheid nicht betroffen und hat weiterhin Bestand. Ziel der Verwaltungsspitze ist es, gemeinsam mit dem Land und dem Gemeinderat zeitnah nach Lösungen zu suchen: unter Berücksichtigung geänderter Rahmenbedingungen – etwa bei der Konzeption des Zentrums – und unter Einbeziehung der Region.
Professor Michael Braum, geschäftsführender Direktor der IBA, erläutert:
„PHV soll ein offener, durchgrünter Stadtteil für alle werden, ausdrücklich auch für Geflüchtete, die ihr Zuhause dauerhaft in Heidelberg finden. Als der Dynamische Masterplan erarbeitet wurde, war die Beschlusslage, dass das Ankunftszentrum nur temporär auf dem PHV untergebracht ist. Wenn das AZ langfristig im PHV Platz finden soll, ändern sich die Rahmenbedingungen, und es bedarf grundlegender Anpassungen im vorliegenden Dynamischen Masterplan, weil damit ein neuer ‚Stadtbaustein‘ dazu kommt.“

Weitere Informationen zum Bürgerentscheid unter
www.heidelberg-fluechtlinge.de/Fluechtlingshilfe/Startseite/buergerentscheid+zum+ankunftszentrum.html

Durch die aktuelle Nutzung der Bestandsgebäude als Ankunftszentrum (AZ) für Geflüchtete wird sehr viel Fläche verbraucht, zurzeit belegt es ca. 35 Hektar des knapp 100 Hektar großen PHV. Sollte ein neues AZ auf der derzeitigen Fläche des PHV gebaut werden, gilt es, eine sorgfältige Verortung des neuen AZ auf der Fläche vorzunehmen.
Der Dynamische Masterplan für PHV wurde auf Basis der Annahme entwickelt, dass das AZ auf einen Standort außerhalb von PHV verlagert wird. Wenn die Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete nun langfristig im PHV Platz finden sollte, kommt ein neuer ‚Stadtbaustein’ dazu. Daraus folgt, dass der Dynamische Masterplan grundlegend angepasst werden müsste. Denn einige Grundparameter, die in ihm festgelegt sind, müssen weiterhin eingehalten werden, um PHV als funktionsfähigen, starken Stadtteil zu entwickeln:
Dazu gehört die belastbare Mindestgröße von 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und 5.000 Arbeitsplätzen, damit ein lebendiger Stadtteil mit einer funktionierenden Infrastruktur entstehen kann. Ebenso wichtig sind ein durchgrüntes Stadtquartier, das einen möglichst großen Klima-Ausgleich vor Ort schafft, die konsequente Mischung aus Wohnen und Arbeiten, die neue Formen wirtschaftlichen und sozialen Lebens ermöglicht, sowie eine möglichst kleinteilige Entwicklung und heterogene Bevölkerungsstruktur. Sobald eine dieser austarierten Voraussetzungen verändert wird, müssen die anderen nachjustiert werden.

An der östlichen Seite des PHV entlang der Bundesautobahn sollen sich vorwiegend die Gebäude für Arbeitsplätze konzentrieren. In diesem Bereich sind Nutzungen vorgesehen, die eher lärmunempfindlich sind. Diese Gebäude dienen zudem als Lärmschutz für die westlich gelegenen Bereiche mit Wohnnutzungen. Darüber hinaus soll ein Lärmschutzwall zur Autobahn entstehen.

Digitale Angebote sollen im PHV verstärkt eingesetzt werden, um Lebensqualität und Nachhaltigkeit im Stadtteil zu stärken. Es wird zwei Arten von Angeboten geben:
Zum einen Angebote, die problemlos auch auf das restliche Stadtgebiet und die Umlandgemeinden ausgeweitet werden können. Beispiele sind Kommunikations- und Beteiligungstools, wie die Online-Bürgerbeteiligung im Dezember 2020, und auch Informationen zu Veranstaltungen, Nahverkehr – wie z. B. die Mein-Heidelberg-App – Raumbuchungssysteme für Vereine etc.
Die zweite Art von Angeboten steht im engen Zusammenhang mit der Entwicklung und Infrastruktur des neuen Stadtteils und dem dortigen Leben, wie etwa die digitale Steuerung des innovativen Fernwärmenetzes oder Sharing-Angebote für Co-Working Flächen. Die Nutzung dieser digitalen Möglichkeiten ist, mit großer Wahrscheinlichkeit, zunächst nur im PHV einsetzbar. Inwiefern sie ausgeweitet werden können, wird im Einzelfall geprüft.

Im kompakten Überblick sind hier sieben Aspekte zu nennen:

1. Eine konsequente Mischung zwischen Wohnen und Arbeiten

2. Ein konzeptioneller Rahmen, innerhalb dessen der neue Stadtteil sein eigenes Ökosystem entwickelt.

3. Die Stadt der Zukunft funktioniert als Stoffkreislauf. Im Idealfall verbraucht PHV im regionalen Kontext nahezu so viel wie produziert wird.

4. PHV verfügt über ein Mobilitätskonzept, das die umweltfreundlichen Verkehre von Beginn an nachfrageorientiert fördert.

5. PHV ist heterogen. Die vielfältige Mischung gilt für die soziale und wirtschaftliche Zusammensetzung und für die Architektur.

6. PHV ist hochgradig integrativ.

7. PHV nutzt die Chancen der Digitalisierung als Mehrwert für die Bewohnerinnen und Bewohner und schützt die entstehenden Daten.

Die Amerikaner haben zum Herbst 2013 das Areal im Südwesten Heidelbergs verlassen. Zwischen 1954 und 1958 hatten sie Patrick-Henry-Village (PHV) als eigenständige Wohnsiedlung mit vielfältigen sozialen und kommerziellen Einrichtungen gebaut.
Das Areal besteht aus unterschiedlichen Wohntypen von der Offiziersvilla bis zum Mannschaftsgebäude. Im Norden befinden sich kleinteilige Strukturen mit Einfamilienhäusern während im größeren, südlichen Bereich vor allem zeilenartige Geschosswohnungsbauten zu finden sind. Insgesamt gibt es auf PHV über 250 Gebäude mit rund 1.400 Bestandswohnungen.

Ein Teil der Gebäude soll erhalten bleiben, ertüchtigt und genutzt werden. Gebäude mit schlechter Substanz oder solche, die der Zielsetzung eines verdichteten und nutzungsgemischten Stadtteils entgegenstehen, werden abgerissen.

PHV kann in der Metropolregion Rhein-Neckar eine beispielhafte und in die Zukunft weisende Rolle spielen, wenn die planerischen Voraussetzungen für einen resilienten, d. h. einen vitalen, leistungsstarken Stadtteil geschaffen werden. Verkürzt bedeutet das: sozial gemischt, wirtschaftlich tragfähig und ökologisch verantwortlich. Dazu muss die Bereitstellung von Wohnraum und Flächen für wirtschaftliche Tätigkeiten sinnvoll im Zusammenhang mit anderen Nutzungen geplant und eingebunden in ein regionales umweltverträgliches Verkehrsnetz sein. Dies erfordert Mindestdichten an Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Zahl von 10.000 ist aus bundesweiter und internationaler Erfahrung als Mindestgröße anzusehen.

PHV wurde in den 1960er Jahren als vom Militär genutzte reine Wohnsiedlung in bewusster Trennung zu den Arbeitsorten (MTV, Hospital, Airfield) entwickelt. Diese Monostruktur muss im neu entstehenden Stadtteil durch ergänzende Funktionen, z. B. Büro- und Gewerbenutzungen, ergänzt werden. Daraus ergibt sich eine höhere Dichte im Vergleich zum Bestand. Der weitgehende Erhalt der im Gebiet vorhandenen Grünräume ist aus ökologischen und sozialen Gründen notwendig. Die großzügig geplanten Grünräume werden benötigt, um Regenwasser ab- und die Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen sowie Biotope zu schaffen. Sie dienen der sozialen Interaktion.

Um einen urbanen Stadtteil mit kurzen Wegen und attraktiven Versorgungs- und ÖPNV-Angeboten sowie Freiflächen zu bilden, braucht PHV eine gewisse Mindestgröße und eine Mindesteinwohnerzahl. Der dynamische Masterplan sieht den Erhalt von so viel Bestand an Gebäuden und Freiräumen wie möglich vor. Das hat viele positive Effekte: Im Zentrum gibt es qualitative Lebens- und Aufenthaltsräume für die Bewohnerinnen und Bewohner und ein gutes Stadtteilklima durch die Grünflächen und Bäume. Die Grünräume sind notwendig, um Regenwasser ab- und die Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen sowie Biotope zu schaffen. Damit wird Freiraum für soziale Interaktion bereitgestellt.
Die Gebäude des Stadtteils, die noch gut erhalten sind, werden modernisiert. Das gibt dem neuen Stadtteil seinen städtebaulichen Charakter und schon die Umwelt, weil weniger Gebäude abgerissen werden.
In der Folge wird eine Erweiterung nach Westen nötig, um ausreichend Wohnraum für den neuen Stadtteil zu schaffen.
Heidelberg befindet sich im bundesdeutschen Vergleich in einer Wachstumsregion. Wenn die Menschen in den zentralen Orten, d. h. auch im PHV, keinen Wohn- oder Arbeitsort finden, werden sie an Orten leben, die einen deutlich höheren Flächenverbrauch und lange Fahrtwege zur Folge hätten. Je mehr Menschen im PHV wohnen, desto attraktiver kann es ausgestattet werden und desto besser ist die Umweltbilanz.

PHV wird ein eigener – der 16. – Stadtteil Heidelbergs werden. Über das Thema eines neuen Namens hat der Gemeinderat zu entscheiden.